Gibt es die Spontanheilung bei Krebs wirklich?

Unbehandelt schreitet eine Krebserkrankung bei fast allen Patienten unablässig voran. In sehr seltenen Ausnahmefällen kann es jedoch zu einer „Spontanheilung“ kommen. Forscher versuchen, die dabei wirksamen Mechanismen zu verstehen – doch bis sich daraus eventuell neue Therapieansätze ableiten lassen, kann es noch lange dauern.

Oftmals wird es von den Betroffenen, ihrem Umfeld und gegebenenfalls auch den Medien als „Wunder“ empfunden: Ein Tumor stoppt sein Wachstum oder bildet sich sogar zurück, ohne dass eine gezielte Therapie erfolgt wäre. Tatsächlich erfüllen diese sogenannten Spontanremissionen (Remission bedeutet Rückgang) weitgehend die Kriterien eines Wunders, widersprechen sie doch scheinbar aller Erfahrung und auch den Naturgesetzen. Krebsforscher arbeiten daran, mögliche Mechanismen und biologische Abläufe, die diese „wundersamen“ Vorgänge erklären könnten, aufzudecken und weiter zu erforschen.

Dass es Spontanremissionen gibt, ist wissenschaftlich belegt. Allerdings in sehr geringer Zahl. Noch einmal deutlich seltener sind echte Spontanheilungen. Ein Tumorrückgang oder ein Wachstumsstopp sind nämlich keineswegs automatisch mit einer Heilung gleichzusetzen. Von einer solchen spricht man erst, wenn der Tumor ebenso wie andere Krankheitssymptome auch nach mehreren Jahren nicht mehr nachweisbar sind. Solange der Krebs noch im Körper ist, kann es jederzeit zu einem Fortschreiten der Erkrankung kommen, auch wenn es zuvor eine Spontanremission gegeben hat.

 

Immunsystem im Fokus

Dass Spontanremissionen und -heilungen so selten auftreten, erschwert ihre Erforschung. Die Angaben der Betroffenen ergeben kein stimmiges Bild, aus dem man wissenschaftlich haltbare Schlüsse ziehen könnte. Während einige ihre Genesung auf eine bestimmte Diät oder ihren allgemeinen Lebenswandel zurückführen, sehen andere den heilenden Faktor in ihrer Religion, in positivem Denken oder in alternativen Heilverfahren. Eine Besonderheit, die alle Betroffenen eint, konnte aus ihren Erfahrungsberichten bisher nicht abgeleitet werden.

Die Forscher richten ihren Fokus derzeit vor allem auf das Immunsystem der Krebspatienten mit nachgewiesenen Spontanremissionen. Offenbar schafft es die körpereigene Abwehr in diesen Fällen besonders gut, die schädlichen Eindringlinge zu erkennen und zu bekämpfen. Warum das so ist, konnte noch nicht geklärt werden. Das Ziel der Krebsforscher ist es, Substanzen zu entwickeln, die die gleichen Mechanismen im Immunsystem auslösen.

Ein anderer Erklärungsansatz basiert auf dem Umstand, dass Tumorzellen noch zu gewöhnlichen, also unschädlichen Zellen „nachreifen“ können. Möglicherweise geschieht dies bei einer Spontanremission in größerem Umfang. Auch hier arbeiten die Wissenschaftler an Medikamenten, die die entsprechenden Vorgänge initiieren und verstärken. Und schließlich kommt als Ursache für einen Wachstumsstopp auch das Unvermögen der Tumoren infrage, an die Blutversorgung des Körpers „anzudocken“. Das ist ab einer gewissen Größe für weiteres Tumorwachstum notwendig. Entsprechende Medikamente sollen diesen Vorgang gezielt blockieren.

 

Eine Spontanheilung lässt sich nicht herbeiführen

So interessant die aktuellen Forschungsansätze auch sind: Bis auf Weiteres entspringen aus den beobachteten Spontanremissionen und -heilungen keine Therapien. Ob und wann einer der verfolgten Forschungswege zu einem Erfolg führt, lässt sich nicht vorhersagen. Damit können auch keine wissenschaftlich abgesicherten Empfehlungen gegeben werden, wie man die Selbstheilung des Körpers anregen könnte. Ansätzen wie dem „positiven Denken“ konnte die Forschung bislang keine Wirksamkeit bescheinigen.

Daher sollten Krebspatienten nach wie vor eine medizinisch bewährte Therapie anstreben und zeitnah einleiten. Anderslautende Versprechungen von „Heilern“, die allein mit „sanften“ Mitteln Tumoren bekämpfen wollen, sind nicht seriös.

 

 

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