Neue Ansätze in der Krebsbehandlung

Der ganz große Durchbruch in der Krebsmedizin steht noch aus, doch kleinere Durchbrüche gibt es immer wieder. Für bestimmte Tumorarten stehen heute neben den konventionellen auch bereits einige innovative – zielgerichtete – Krebstherapien zur Verfügung.

Die Krebsforschung macht an allen Fronten kontinuierlich Fortschritte.  So werden die klassischen Therapieverfahren Operation, Strahlen- und Chemotherapie ständig verbessert. Ebenso verzeichnen die Krebsforscher auf den neuen Wegen, die sie beschreiten, immer wieder wichtige Erfolge – wenn auch von der Idee bis zur breiten Anwendung in aller Regel viele Jahre vergehen. Mittlerweile sind für einige Krebsarten außer den drei Standardtherapien einige neue Therapieoptionen verfügbar. Am vielversprechendsten und wichtigsten sind zielgerichtete Ansätze, welche wir Ihnen hier im Überblick vorstellen wollen:

Tumorgewebe gezielt angreifen, gesundes Gewebe schonen

Problematisch bei der Strahlen- und insbesondere bei der Chemotherapie ist die Schädigung von gesunden Zellen und Geweben. Zielgerichtete Therapien sollen dagegen nur die Krebszellen angreifen. Dabei stützen sie sich auf deren molekulare Eigenschaften, weshalb auch von molekularbiologischen Therapien die Rede ist. Es gibt verschiedene Wirkungsweisen: Einige Therapien schneiden den Tumor von der Nährstoffversorgung ab, andere hemmen seinen Wachstumsdrang.

Immuntherapien wiederum „markieren“ gewissermaßen die Krebszellen, um sie für das Immunsystem als schädliche Eindringlinge erkennbar zu machen, oder lösen vom Krebs aktivierte „Bremsen“ im Immunsystem. Daneben gibt es noch weitere zielgerichtete Ansätze. Voraussetzung für eine erfolgreiche Anwendung ist, dass der Tumor die entsprechenden molekularen Eigenschaften aufweist. So ist es wichtig, jedes Tumorgewebe genau zu charakterisieren, um zu entscheiden, für welche Patienten eine zielgerichtete Therapie infrage kommt.

Für verschiedene Krebsarten zugelassen

Es gibt bereits eine Vielzahl zugelassener molekularbiologischer Wirkstoffe, die an dieser Stelle nicht alle aufgeführt werden können. Für nicht-kleinzelligen Lungenkrebs, der über 80 Prozent aller Lungenkrebs-Erkrankungen ausmacht, sind beispielsweise seit 2005 zielgerichtet wirkende Tabletten erhältlich. Sie hindern das Tumorgewebe am Wachstum, indem sie eine Signalkette unterbrechen. Die Therapie zeigt bei etwa jedem sechsten Patienten Wirkung.

Nach dem gleichen Prinzip sind Wirkstoffe gegen Brustkrebs erfolgreich im Einsatz. Immuntherapien gegen schwarzen Hautkrebs sind seit 2012 verfügbar und zeigen eine gute Wirksamkeit. Sie basieren auf dem oben erwähnten Prinzip, die „Bremsen“ (fachsprachlich: Immun-Checkpoints) des Immunsystems wieder zu lösen. Weiterhin sind gegen Darmkrebs Infusionen erhältlich, die die Neubildung von Blutgefäßen unterbinden, so dass der Tumor nicht mehr ausreichend versorgt wird (Angiogenese-Hemmer).

Frei von Nebenwirkungen sind die zielgerichteten Therapien allerdings auch nicht. Denn auch gesunde Zellen bilden in gewissem Umfang die von den zielgerichteten Therapien anvisierten Zielstrukturen aus. Daher kann es vorkommen, dass auch gesundes Gewebe leidet. Mögliche Nebenwirkungen sind beispielsweise Bluthochdruck und Herzprobleme, Hautreaktionen, Infektionen oder auch Durchfall. Viele neue Therapien werden zunächst nur in spezialisierten Krebszentren oder im Rahmen klinischer Studien angeboten und sind mitunter nur für fortgeschrittene Tumorstadien zugelassen.

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